Nach der Matura ging die gebürtige Lendorferin Erika Kainberger-Kapeller, Autorin, Regisseurin und Akteurin beim Spittaler Theater-Ensemble MISCHKULANZ, nach Salzburg. Eigentlich wollte sie ja im Mozarteum Schauspiel studieren, doch das Publizistikstudium wollten ihr die Eltern nicht erlassen, das hat sie ganz einfach machen müssen. Nebenbei aber immer in Laienschauspielgruppen gespielt und unterwegs gewesen, dann eine Familie gegründet, auch umgezogen - damit musste die Theater-Leidenschaft 15 Jahre lang pausieren, bis eben die MISCHKULANZ gegründet wurde. Wie ist es dazu gekommen?

 

Vor fünf Jahren wurde eine Theatergruppe im Raum Seeboden von einem Reiseunternehmen gesucht, das seinen Gästen auch ein Kulturprogramm, sprich ein komödiantisches Theaterprogramm anbieten wollte. Da die örtlichen Theatergruppen nichts machen wollten oder konnten, habe ich mit Bekannten zusammen eine eigene Theatergruppe gegründet. Mischkulanz heißen wir deshalb, weil wir uns bunt zusammen gemischt haben: Die ersten Mitglieder kamen aus verschiedenen Orten mit einem ganz unterschiedlichen theatralischen Background. Sie brachten alle Bühnenerfahrung mit - aus dem Amateurtheaterbereich und aus den Bereichen Faschingsgilde und Kabarett. Das war wirklich eine interessante Mischung, weil jeder seine Erfahrungen und Talente einbringen konnte.

 

       Wie viele Mitglieder hat die Gruppe derzeit?

 

Dadurch dass wir nicht ein alt-eingesessener Verein sind, ist es so, dass sich die Personenanzahl je nach Projekten verändert hat: Wir haben immer jemanden dazu bekommen oder auch zwei Leute, einige haben aus unterschiedlichsten Gründen aufgehört. Aktuell sind wir sieben Leute in der Gruppe, wobei von der ursprünglichen Gruppe, die 2002 gegründet wurde, nur zwei übrig geblieben sind - das sind Fritzi Golobic und ich.

 

       Eine sehr interessante Boulevardkomödie von Erika Kainberger-Kapeller, "Die lieben Diven", wird derzeit gespielt in der "Garage" am Hauptplatz in Spittal. Das ist insgesamt bereits die 16. Komödie der Autorin - sie schreibt nämlich die Stücke selbst. Wie sind Ihre aktuellen Figuren gestaltet?

 

Oft sind diese ein bisschen zynisch, sie sind lieb, aber doch unterschwellig aggressiv und sehr auf Konkurrenz bedacht. Das Stück spielt im Hollywood-Milieu und die Protagonistinnen, eben meine zwei Diven, sind zwei etwas in die Jahre gekommene ehemals gefeierte Filmstars in Hollywood, die aber auf Grund ihres Alters - und ich glaube, das geht dort ja schon mit Ende Dreißig los - keine Rollen mehr bekommen und in einer Traumwelt, in einer Scheinwelt leben.

 

       Die beiden wohnen also zusammen unter einem Dach, und jede hat ihre ganz persönlichen Probleme...

 

Genau. Die Eine ist zwar verheiratet, hält es aber nicht aus mit ihrem Mann - die Zwei streiten nur. Die zweite Diva leidet sehr stark unter Einsamkeit und hat panische Angst vorm Alter, vorm Älter-Werden überhaupt. Ein Lösungsversuch von ihr ist es, dass sie sich ständig jüngere Männer als Liebhaber hält, um so ihre Jugend zu konservieren - unter Anführungszeichen! Es bleibt natürlich beim Versuch - beide Diven haben starke Beziehungsprobleme und Liebesnöte.

 

 

       Heuer wird bei der MISCHKULANZ fünfjähriges Bestehen gefeiert. Die Schauspieler haben ganz andere Berufe und machen Theater nur als Hobby, dafür aber mit viel Inbrunst und Leidenschaft...

 

Das ist richtig. Ich habe es wirklich mit Leuten mit sehr viel Talent und viel Herzblut und Liebe fürs Theater zu tun. Natürlich haben wir sehr wenig zeitliche Möglichkeiten, so intensiv und so oft zu proben, wie ich es gern hätte. Umso stolzer bin ich auf jedes einzelne Mitglied, da wir heuer einen ganzen Monat zum Proben verschieben mussten, weil uns zwei männliche Mitspieler abhanden gekommen sind.

 

       Es gab dann aber doch schnell Ersatz, oder?

 

Zum Glück habe ich einen sehr loyalen Ehemann, der sich gleich "geopfert" hat und eine männliche Hauptrolle, den Butler, übernommen hat. Er hat sehr gute Kritiken bekommen, was mich ganz besonders freut - das betrifft aber auch alle anderen Mitglieder .

 

       Spätestens jetzt weiß man, warum es gut ist verheiratet zu sein - der Ehemann kann auch mal einspringen. Sie haben dann also erst statt im Jänner im Februar mit den Proben begonnen - mit dabei ist auch Ihr Neffe Thomas Kapeller, der ebenfalls eingesprungen ist. Wie ist denn am 17. März die Premiere gelaufen?

 

Ich war zugegebener Maßen sehr nervös, auch weil neue Mitspieler dabei waren - Nina Hader aus Spittal und Franz Radinger (besser bekannt als "Sauwirt") aus Villach. Zudem hat Margit Presser nach einer 20jährigen Bühnenpause erstmals wieder gespielt. Bei den Proben war alles bestens, es ist dann aber doch etwas Anderes, wenn man das erste Mal vor 170 Leuten spielt. Blackouts sind natürlich bei allen möglich, auch wenn jemand schon ein "alter Fuchs" ist. Es ist jedoch nichts passiert und es ist alles sehr gut gelaufen!

 

       Bei Ihren Charakteren denken Sie sich sicher etwas Besonderes?

 

Die Entwicklung der Figuren, ihre Beziehung zueinander, ihre Eigenheiten, Schwächen, Ticks, Macken, Vorlieben, aber auch Stärken interessierten mich und das alles in Form einer Komödie aufeinander prallen zu lassen. Wichtig dabei ist mir: Ich mag keine Schwarz-Weiß-Malerei - im Sinne von "Das ist der Gute, das ist die Böse, das ist der Nette" - das ist mir zu klischeehaft. Wenn eine Figur der Bösewicht ist, so ist mir wichtig, heraus zu arbeiten, warum er so geworden ist, was ist der Hintergrund. Und Der- oder Diejenige kann auf einem anderem Gebiet auch ganz gut sein. Oder nehmen wir den Typus "Liebes Mädchen" - die kann durchaus ihre Leichen im Keller haben.

 

       Es geht also vorrangig um die Unterhaltung, aber bitte nicht seicht und nicht müde werden, weil nur mit Klischees gearbeitet wird...

 

Am meisten freut mich ein Publikums-Feedback, wie z.B. "Es war lustig, unterhaltsam und kurzweilig - aber auch: Diese Situation kenne ich, das habe ich auch schon erlebt!" oder: "Das war eine echt sympathische Figur" - wie es heuer z.B. mein Butler ist: Er hat mit allen möglichen Frauen Verhältnisse, er ist eigentlich schwach in seinem Charakter, hat jedoch dieses britisch-steife und doch galante Auftreten. Wenn meine Stücke auch zum Nachdenken anregen, habe ich mein Ziel erreicht.

 

       Die Bühne hat Erika Kainberger-Kapeller immer fasziniert. Schon als Kind wollte sie Schauspielerin werden - jetzt ist sie nicht nur das, sondern auch Autorin und Regisseurin. Sie schreibt Skripts, geht mit offenen Augen und Ohren durch die Welt, denn das ist ja die Quelle für ihre Theaterarbeit: Ideen haben, neugierig sein, das hat sie schon damals als Journalistin gelernt, und das ist es auch, was sie dazu beflügelt, in Theaterbildern zu denken... Woher nehmen Sie ihre Ideen für Ihre Stücke?

 

Ich hole meine Inspiration z.B. aus Medienberichten, ich greife auch aktuelle gesellschaftliche Strömungen auf. Ideen ergeben sich auch aus Gesprächen - so hatte ich z.B. kürzlich eine spontane Brainstorming-Runde mit meinen Theaterkolleg/innen, in der ich sie fragte, welche Rolle, welchen Typus sie gern einmal verkörpern würden. (...) Es ergab sich daraus, dass mein nächstes Stück eine Krimi-Komödie sein wird. Aus einem lauten Nachdenken, einem spaßigen Drauflos-Reden kann sich in mir ein Bild, ein Film aufbauen. Daraus schreibe ich eine Exposé, ein Treatment, überlege mir, welche Figuren zur Geschichte passen könnten.... Mein nächstes Stück wird heißen "Mord-Schule" und wird eine etwas makabere Geschichte, die in Palermo spielt.

 

       Kann man sich fürs nächste Projekt vielleicht als Interessent bewerben bei Ihnen?

 

Ja, auf alle Fälle. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich in ein fertiges Stück eine Rolle dazu geschrieben habe, weil es jemanden gab, den ich in die Gruppe herein holen wollte - so auch beim nächsten Stück. Mich interessiert es auch, wie sich eine Gruppe weiter entwickeln kann, wenn ein oder zwei Leute neu dazu kommen oder uns jemand verlässt. Das ist immer wieder eine neue Herausforderung - die größte überhaupt.

 

       "Die lieben Diven", das ist eine Boulevardkomödie mit Witz, Esprit und Feinsinn, für die Sie bei Radio Harmonie Ehrenkarten gewinnen können - Sie sitzen natürlich in der ersten Reihe und sind, wenn Sie mögen, auch noch bei der "After Show Party" dabei!